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Gesetzliche Erbfolge verstehen

Wer erbt wie viel, wenn kein Testament existiert? Wir erklären die Erbfolge nach deutschem Recht verständlich und mit praktischen Beispielen.

10 Min Anfänger März 2026
Verwandte sitzen zusammen am Tisch und besprechen wichtige Dokumente zur Erbfolge

Was passiert ohne Testament?

Viele Menschen denken, ihre Angehörigen bekommen automatisch alles — aber das stimmt nicht. Ohne Testament greift die gesetzliche Erbfolge. Das ist eigentlich ganz logisch aufgebaut, aber viele Fragen entstehen trotzdem. Wir zeigen dir, wie’s funktioniert und worauf du achten solltest.

Die gute Nachricht: Deutschland hat ein klares System. Es gibt keine überraschungen — nur Regelwerk, das seit Jahrzehnten funktioniert. Sobald du verstanden hast, wie die Ordnungssysteme funktionieren, wird alles viel einfacher.

Dokumentenstapel mit Gesetzbüchern und Notizblöcken zum Thema Erbrecht

Die vier Ordnungen der Erbfolge

Das deutsche Erbrecht organisiert Verwandte in vier Ordnungen. Zuerst kommt die erste Ordnung, und nur wenn dort niemand vorhanden ist, rückt die nächste Ordnung nach. Es ist wie ein System, das hierarchisch funktioniert.

1. Ordnung

Kinder und Enkel. Wenn du Kinder hast, erben sie. Punkt. Deine Eltern, Geschwister oder Großeltern bekommen nichts.

2. Ordnung

Eltern und Geschwister. Nur wenn es keine Kinder gibt, erben deine Eltern oder deren Kinder (deine Geschwister).

3. Ordnung

Großeltern und deren Nachkommen. Das Erbe geht an deine Großeltern oder deren Kinder und Enkel.

4. Ordnung

Urgroßeltern und weitere Vorfahren. Das ist selten, passiert aber, wenn es sonst niemanden gibt.

Grafische Darstellung eines Stammbaums mit vier Generationen zur Veranschaulichung der Erbfolgeordnungen
Ehepaar sitzt zusammen und schaut sich Finanzunterlagen an

Der Ehepartner — eine Sonderrolle

Dein Ehepartner erbt immer mit — aber die Höhe hängt davon ab, wer sonst noch da ist. Das ist wichtig zu verstehen, weil es große Auswirkungen hat.

Wenn du verheiratet bist und Kinder hast, bekommen der Partner und die Kinder das Erbe zusammen. Der Partner erhält normalerweise 25 % (bei Zugewinngemeinschaft), die Kinder teilen sich die restlichen 75 %. Wenn es aber keine Kinder gibt, kriegt der Partner alles — oder zumindest einen großen Teil, je nachdem ob Eltern noch leben.

Ein wichtiger Punkt: Das gilt nur für verheiratete Partner. Lebensgefährten sind gesetzlich nicht berücksichtigt, auch wenn ihr zusammengelebt habt. Das ist ein häufiger Fehler — Menschen glauben, ihr Partner ist automatisch geschützt, ist er aber nicht.

Freibeträge — das Wichtigste für deine Steuern

Jeder Erbe hat einen Freibetrag — ein bestimmter Betrag, den er steuerfrei erben kann. Alles darüber wird mit Erbschaftsteuer belastet. Die Höhe hängt von deiner Beziehung zum Verstorbenen ab.

Ehepartner

Freibetrag: 400.000

Das ist der höchste Freibetrag. Viele Erbschaften fallen dadurch komplett aus der Steuer raus.

Kinder

Freibetrag: 400.000 pro Kind

Auch hohe Freibeträge. Mehrere Kinder bedeuten mehrere Freibeträge.

Enkel

Freibetrag: 200.000 pro Enkel

Halb so hoch wie für Kinder. Wenn die Eltern bereits verstorben sind, erben Enkel direkt.

Andere

Freibetrag: 20.000 (Geschwister, Neffen, Nichten)

Deutlich geringer. Alles darüber wird mit 30 % Steuer belastet.

Praktische Beispiele aus der Realität

Beispiel 1: Familie mit zwei Kindern

Hans ist verheiratet mit Maria und hat zwei Kinder. Sein Nachlass beträgt 800.000 . Ohne Testament erbt Maria 25 % (200.000 ), Kind 1 bekommt 37,5 % (300.000 ), Kind 2 bekommt 37,5 % (300.000 ).

Steuern: Alle liegen unter ihren Freibeträgen (Maria 400.000 , jedes Kind 400.000 ), also zahlen alle null Erbschaftsteuer. Das geht völlig steuerfrei auf.

Beispiel 2: Ledige Person mit Geschwistern

Petra ist ledig, hat keinen Partner und keine Kinder. Sie hat zwei Geschwister. Ihr Nachlass: 300.000 . Da keine 1. Ordnung vorhanden ist, erben die Eltern. Wenn die auch verstorben sind, erben die Geschwister je 150.000 .

Steuern: Jedes Geschwister hat einen Freibetrag von 20.000 . Das bedeutet: 130.000 pro Geschwister sind steuerpflichtig (150.000 minus 20.000 ). Bei 30 % Steuersatz zahlt jedes Geschwister etwa 39.000 Steuer.

Dein nächster Schritt

Jetzt kennst du die Grundregeln der gesetzlichen Erbfolge. Die Ordnungen sind klar, die Freibeträge sind definiert, und die Steuern lassen sich berechnen. Aber hier’s wichtig zu verstehen: Die gesetzliche Erbfolge passt selten perfekt zu deinen Wünschen.

Wenn du willst, dass dein Partner mehr bekommt, oder wenn du jemanden benachteiligen oder bevorteilung möchtest, brauchst du ein Testament. Ein Testament gibt dir die Kontrolle — die gesetzliche Erbfolge nicht. Plus: Mit guter Planung kannst du auch Steuern sparen und deine Angehörigen vor langen Erbschaftsprozessen bewahren.

Interessiert dich die nächste Stufe? Schau dir an, wie du ein Testament schreibst oder wie Schenkungen deine Steuerlast senken können.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ist rein informativ und ersetzt keine rechtliche oder steuerliche Beratung. Erbschaftsrecht ist komplex, und die genaue Situation hängt von vielen Faktoren ab — vom Bundesland, vom Familienstand, vom Vermögen und mehr. Wenn du konkrete Fragen zu deiner Erbfolge oder Erbschaftsteuer hast, wende dich an einen Rechtsanwalt oder Steuerberater. Sie können deine spezifische Situation analysieren und dir maßgeschneiderte Lösungen anbieten.