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Freibeträge bei der Erbschaft — Das musst du wissen

Wie hoch sind die Freibeträge? Welche Steuerklasse passt zu dir? Konkrete Zahlen und Beispiele für Kinder, Ehegatten und weitere Verwandte.

9 Min Lesedauer Mittelstufe März 2026
Notizblock mit Berechnungen, Rechner und Geldscheine auf Schreibtisch zur Erbschaftsplanung

Warum Freibeträge so wichtig sind

Wenn jemand stirbt und du erben wirst, kommt schnell die Frage auf: Wie viel Erbschaftsteuer muss ich eigentlich zahlen? Die gute Nachricht ist, dass du nicht auf die gesamte Erbschaft Steuern zahlst. Es gibt sogenannte Freibeträge — das sind Summen, die du steuerfrei erben kannst.

Die Höhe dieser Freibeträge hängt davon ab, wie nah du mit der verstorbenen Person verwandt bist. Ein Kind kann deutlich mehr steuerfrei erben als ein Neffe oder eine Nichte. Wir erklären dir die genauen Beträge, welche Steuerklasse für dich gilt, und wie du deine Erbschaft optimal planen kannst — auch schon zu Lebzeiten.

Familie sitzt zusammen am Tisch und bespricht Erbschaftsangelegenheiten

Die Freibeträge im Überblick

Diese Tabelle zeigt dir die aktuellen Freibeträge für 2026 — je nachdem, in welchem Verhältnis du zum Verstorbenen standest:

Verwandtschaftsverhältnis Freibetrag Steuerklasse
Ehegatte / Lebenspartner 400.000 I
Kinder und Stiefkinder 400.000 I
Enkel (wenn Eltern verstorben) 400.000 I
Enkel (wenn Eltern noch leben) 200.000 I
Urgroßeltern 100.000 II
Geschwister 20.000 II
Neffen und Nichten 20.000 II
Sonstige Personen 20.000 III

Die Freibeträge gelten pro Erbfall. Das bedeutet: Jedes Mal, wenn du erben wirst, kannst du wieder den vollen Freibetrag nutzen. Allerdings gibt es Steuerfreibeträge nur alle 10 Jahre. Wenn du innerhalb von 10 Jahren zweimal vom gleichen Erblasser profitierst, wird das berücksichtigt.

Steuerklassen verstehen

Die Steuerklasse ist entscheidend — sie bestimmt, wie viel Steuern du auf den Teil zahlst, der über deinem Freibetrag liegt. In Steuerklasse I zahlst du die niedrigsten Sätze (7–30%), in Steuerklasse II mehr (15–43%), und in Steuerklasse III am meisten (30–50%).

Das heißt: Ein Kind mit Steuerklasse I zahlt deutlich weniger Steuern als ein entfernter Verwandter in Steuerklasse III — selbst wenn die Erbsumme gleich groß ist. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wo du selbst eingeordnet wirst.

Taschenrechner und Steuerdokumente auf Schreibtisch mit Brille

Konkrete Beispiele aus der Praxis

Beispiel 1: Die Tochter erbt von ihrer Mutter

Die Mutter hinterlässt 600.000 . Die Tochter hat einen Freibetrag von 400.000 . Das bedeutet: Sie erbt 200.000 steuerfrei über dem Freibetrag. In Steuerklasse I liegt der Steuersatz für diesen Betrag bei 11%. Sie zahlt also etwa 22.000 Erbschaftsteuer.

Beispiel 2: Der Neffe erbt vom Onkel

Der Onkel hinterlässt seinem Neffen 100.000 . Der Neffe hat einen Freibetrag von nur 20.000 . Es bleiben 80.000 steuerpflichtig. In Steuerklasse II liegt der Steuersatz bei 15%. Der Neffe zahlt also etwa 12.000 Erbschaftsteuer — obwohl er weniger erbt als die Tochter im ersten Beispiel.

Beispiel 3: Der Ehegatte erbt die Immobilie

Ein Ehegatte erbt ein Haus im Wert von 500.000 . Der Freibetrag liegt bei 400.000 . Normalerweise würde er auf 100.000 Steuern zahlen. Aber: Es gibt auch eine Steuerbefreiung für selbstgenutzte Immobilien — unter Umständen kann er komplett steuerfrei erben.

Senioren schauen sich gemeinsam Erbschaftsdokumente an und besprechen Planung

Schenkungen zu Lebzeiten — Die intelligente Strategie

Hier kommt eine wichtige Erkenntnis: Du kannst schon während deines Lebens Vermögen verschenken und die gleichen Freibeträge nutzen. Das Beste daran? Die Freibeträge erneuern sich alle 10 Jahre. Das bedeutet, dass du beispielsweise deinem Kind jetzt 400.000 schenken kannst — und in 10 Jahren wieder 400.000 steuerfrei verschenken kannst.

Viele Menschen nutzen diese Möglichkeit, um ihre Vermögen strategisch zu verteilen. Dein Kind bekommt das Geld früher, du hast die Freude zu sehen, wie es genutzt wird, und gleichzeitig reduzierst du deine Erbmasse — was die spätere Erbschaftsteuer senkt.

Wichtige Punkte zur Anrechnung

Schenkungen anrechnen

Schenkungen innerhalb der letzten 10 Jahre vor dem Tod werden auf die Freibeträge angerechnet. Das ist wichtig zu wissen: Wenn du vor 8 Jahren schon 200.000 geschenkt bekommen hast, stehen dir beim Erben nur noch 200.000 freibetragsfrei zu.

Steuerliche Absicherung

Innerhalb von 3 Monaten nach dem Todesfall muss die Erbschaft dem Finanzamt angezeigt werden. Wer erbt, muss eine Steuererklärung einreichen — auch wenn letztendlich keine Steuern fällig werden.

Immobilien und Betriebsvermögen

Für Immobilien, die du selbst nutzt, gelten zusätzliche Steuererleichterungen. Auch Betriebsvermögen wird teilweise privilegiert besteuert. Das kann große Unterschiede machen — besonders bei wertvollen Immobilien oder Familienunternehmen.

Nächste Schritte für deine Erbschaftsplanung

Die Freibeträge sind eine Möglichkeit, Steuern zu sparen — aber jede Situation ist unterschiedlich. Dein Vermögen, deine Familie, deine Ziele: Das alles spielt eine Rolle. Viele Menschen profitieren davon, ihre Erbschaftsplanung schon früh mit einem Profi zu besprechen. So lassen sich große Steuersummen oft vermeiden.

Überlege dir: Willst du dein Vermögen strategisch verteilen? Oder möchtest du dich einfach besser informieren, bevor etwas passiert? In beiden Fällen lohnt sich ein Gespräch mit einem Steuerberater oder Erbrecht-Experten.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel vermittelt allgemeine Informationen zu Erbschaftsfreibeträgen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Aktualität. Die Freibeträge und Steuersätze können sich ändern — die hier angegebenen Werte entsprechen dem Stand März 2026. Erbschafts- und Schenkungssteuerrecht ist komplex und unterscheidet sich je nach Bundesland. Für deine persönliche Situation solltest du einen Steuerberater oder Rechtsanwalt für Erbrecht konsultieren. Dieser Artikel ersetzt keine rechtliche oder steuerliche Beratung.